März 2026
Vollmond und Freundschaft
Wird das ein Reisebericht‘? Mit nur einer Übernachtung? Oder ein Ausflug? Oder Zeit für mich? Ein Mädelsweekend? Von allem etwas … ich kann mich nicht entscheiden.
Von diesem ‚genussvollen Vollmondabend‘ auf dem Säntis hat man mir schon des öfteren vorgeschwärmt. Das wollte ich unbedingt auch einmal erleben. Und zwar bevor das Projekt ‚Säntis 2026‘ mit dem Neubau der Schwebebahn beginnt und man den Gipfel während der nächsten Monate nur noch zu Fuss erreicht.
Meine Schaffhauser Freundin fand die Idee toll, parkte ihren Hund bei ihrerTochter (danke 👍) und war dabei.
Wir verabredeten, dass sie freitags vormittags mit einem bestimmten Zug zu mir kommt und wir dann mit dem Auto Richtung Appenzell fahren. So weit, so gut. Der Zug kam sogar pünktlich an, nur dass sie einen früheren genommen hatte und eine Stunde vor der abgemachten Zeit auf der Matte stand. Nicht, dass mich das wirklich überrascht hätte . Aber da sie zu den wenigen Personen gehört … wenn sie nicht sogar die Einzige ist … die ich auch nur halb angezogen empfange, war das kein Problem 😊. Bester Ehemann der Welt machte ein bisschen Small Talk und dann war ich auch schon abreisebereit.
Bei schönstem Sonnenschein – der März war ungewöhnlich warm in diesem Jahr – fuhren wir bei sehr moderatem Verkehr ins Appenzell, waren in weniger als neunzig Minuten auf der Schwägalp und genossen den ersten Blick auf den Säntis.

Und zwar auf der Terrasse des Restaurants Passhöhe, das – idyllisch auf 1285 m ü. M gelegen – ein beliebter Treffpunkt für Wanderer und Motorradfahrer auf der Schwägalp ist. Hier machten wir einen Stopp, obwohl das Restaurant nur ein paar hundert Meter vor unserem Ziel liegt.
Die wärmende Sonne auf der Terrasse, der Schnee, der Ausblick auf den Säntis … ich war schon jetzt begeistert von dieser Auszeit in den Bergen. Und die erste Sünde lag auch schon auf dem Teller …
Danach fühlte ich mich wohlig wie ein faules Kätzchen. Muss an der Sahne gelegen haben 😹.


Anschliessend fuhren wir die paar hundert Meter weiter zum ‚Säntis – Das Hotel‘ auf der Schwägalp (https://www.saentisbahn.ch).
Ich hatte bei der Zimmerreservation auch einen Platz in der erstaunlich kleinen Parkgarage gebucht, weil ich ja nicht wusste, wie sich das Wetter entwickelt und ich keine Lust hatte, mein Auto irgendwann draussen aus dem Schnee zu buddeln.
Hier stand ich nun vor dem verschlossenen Garagentor und fragte mich, wie ich hinein komme, bevor ich den Verbindungsbutton zur Rezeption an der Säule vor der Einfahrt entdeckte. Die freundliche Dame meinte, sie würde mir öffnen und mein Parkplatz sei ‚angeschrieben‘. Tatsächlich war es so, dass der Platz mit meinem Namen gekennzeichnet war. Vielleicht nur eine Kleinigkeit, die aber dazu beitrug, dass wir uns sofort willkommen fühlten.
Der Empfang war sehr freundlich und wir erhielten die Gutscheine für die Schwebebahnfahrt und ebenso für einen Willkommensaperitiv. Sogar das Zimmer konnten wir schon beziehen, obwohl es noch nicht 15 Uhr war.


Das Zimmer mit Ausblick auf den Weidwald war mit 25 qm recht geräumig. Um es vorweg zu nehmen … die Matratze in dem Boxspringbett war fantastisch.

Der Willkommensapero fand um 17 Uhr statt. Wir wollten aber noch die Nachmittagssonne geniessen und gönnten uns bereits vorher ein Getränk auf der Terrasse des Hotels. Es war frühlingshaft warm, so dass ich mich aus diversen Kleiderschichten schälte, bis das T-Shirt zum Vorschein kam 🌞. Eine Stunde später machten wir es uns noch ein bisschen in unserem Zimmer gemütlich, relaxten und freuten uns auf den Abend.
Gegen 18 Uhr gingen wir zur Talstation, die sich praktisch im Hotel befindet. Die Gondelfahrt hinauf zum Säntis war ein richtig magischer Moment. Der Himmel präsentierte sich völlig wolkenlos und klar. Die tiefstehende Abendsonne tauchte die Felswände in ein warmes Licht und wir hielten die Stimmung in Bildern fest.








Oben angekommen, wurden wir im Restaurant herzlich begrüsst und direkt an den reservierten Tisch geführt. Die für uns zuständige Servicekraft (ich habe gelernt, dass man – glaub ich – nicht mehr ‚Kellner‘ sagt 🤔) erklärte uns den Ablauf des Abends sehr professionell und freundlich. Kleines ‚ach du meine Güte‘ am Rande: die traditionelle Appenzeller Musik war zwar sehr schön und stimmungsvoll, aber sie hätten jetzt nicht unbedingt fast direkt an unserem Tisch spielen müssen. Für zwei Frauen, die quatschen wollen, war das lautstärketechnisch eine echte Herausforderung.
Die Stimmung war trotzdem gut, was nicht zuletzt am Superbuffet lag, welches uns keine riesige Auswahl, aber superleckere Vorspeisen und Hauptgänge bot. Das Dessertbuffet würde später aufgebaut werden. Was ich nicht unerwähnt lassen möchte ist, dass der reservierte Tisch den ganzen Abend ‚uns gehörte‘. Man konnte jederzeit aufstehen, auf der Terrasse die Aussicht geniessen oder herumschlendern, der Tisch wurde nicht nochmals vergeben.
Nach dem Hauptgang haben wir uns den vom Service empfohlenen 20-minütigen Film angeschaut, der im oberen Stockwerk gezeigt wurde und sich mit der Geschichte des Säntis beschäftigt. Wirklich eine Empfehlung, wenn man schon hier oben ist.

Der Abend war rundum gelungen und ich hatte ein richtig wohliges Gefühl im Bauch. Einerseits lag es natürlich am guten Essen, andererseits an der Vertrautheit mit meiner Freundin: Obwohl ich sie länger nicht gesehen hatte, kam es mir so vor, als hätten wir uns erst gestern getroffen.
Bevor es mit der Schwebebahn wieder nach unten ging, warfen wir auf der Terrasse noch einen letzten Blick hinunter ins Tal. Wenn ich noch rauchen würde (juchuuu … tu ich nicht mehr), wäre eine Zigi hier genau das Richtige gewesen.


Wieder im Hotel angekommen, wollten wir noch nicht direkt ins Bett und gönnten uns einen kleinen Absacker an der gemütlichen Bar. Die Themen gingen uns auch hier nicht aus, ein echtes Mädelsweekend eben.

Irgendwann wurde es dann aber doch Zeit, schlafen zu gehen. Auf dem Zimmer schauten wir noch ein bisschen Nachrichten, bevor dieses fantastische Boxspringbett uns sehr gut schlafen liess.
Am nächsten Morgen waren wir bereits früh wach und machten uns nach der Dusche auf den Weg zum Frühstück. Das Hotel war nicht gerade das kleinste, weshalb man den Frühstücksraum erstmal suchen musste. Wir waren die ersten – und da ich ein absoluter Frühstücksmensch bin (von mir aus könnten alle Mahlzeiten immer aus Frühstück bestehen 😊), war das wunderbare Buffet mit allem, was das Frühstücksherz begehrt, das erste Highlight des Tages.


Nach mehreren Kaffees und – so kam es mir vor – mehrmals durch’s Buffet gefuttert, zahlten wir am Empfang unsere Rechnung. Wir gingen noch einmal auf unser Zimmer, um unsere Siebensachen in die Weekender zu werfen und die Heimreise anzutreten.
Heimreise? 10 Uhr morgens und tatsächlich schon heimwärts? Wollten wir eigentlich beide noch nicht. Meine Freundin meinte nur: Wenn der Hund schon mal wegorganisiert ist, müssen wir die gewonnene Freiheit auch noch ein bisschen ausnützen. Wir haben uns überlegt, welche Stadt auf unserem Heimweg sich perfekt für einen Zwischenstopp anbieten würde, um etwas zu essen oder zu trinken (… wobei wir uns wohl eher für Letzteres entscheiden würden😉).
St. Gallen. Genau. Das war es.
Nach nur 45 Minuten Fahrzeit erreichten wir die Ostschweizer Metropole. Als wir nach St. Gallen hinein fuhren, hatte ich plötzlich das Gefühl, die Gegend kenn ich doch (ich war ewig nicht mehr in der Stadt). Und dann habe ich das uralte unterirdische Parkhaus mit der schrecklich engen, dunklen Einfahrt wiedererkannt. Hier habe ich früher oft mein Auto abgestellt, während mein Mann in St. Gallen Musik machte. Plötzlich konnte ich mich gut orientieren, ein schönes Gefühl.
By the way … die Gebühren des Parkhauses entsprachen nicht mehr denen des Mittelalters, lediglich das Parkhaus selbst. Aber das nur am Rande
So, da waren wir nun. Also einfach mal loslaufen, den Weg in die Stadt kannte ich ja. Dann ging mir durch den Kopf, dass ich schon ewig die berühmte Stiftsbibliothek besuchen wollte. Wäre doch jetzt die beste Gelegenheit. Meine Freundin hat’s jetzt nicht so mit – wie sie sagt – ‚alten Steinen und so Zeugs‘. Trotzdem war sie von meinem Vorschlag sehr angetan.
Schon wenn man das majestätisch wirkende Klostergebäude sieht, fühlt man sich wie in einer anderen Welt (wenn man an der Kasse steht, allerdings nicht mehr 😁).

Und dann waren wir endlich dort, wo ich schon lange hin wollte. An dem Ort, den ich bisher nur im Fernsehen bewundern konnte: die Stiftsbibliothek. Das heisst, bevor wir ins Allerheiligste eintreten durften, mussten wir uns erst Filzpuschen überstreifen, damit die Strassenschuhe den Boden nicht beschädigten.

Der Saal ist ein Gesamtkunstwerk und man weiss gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Im Fernsehen wirkte dieser Raum immer grösser, als er in Wirklichkeit ist. Live vor Ort empfand ich ihn als gemütlicher und zugänglicher.



Faszinierend fand ich den riesigen Himmelsglobus mit seinen Malereien und die Deckenfresken, die dem Raum etwas Verspieltes und Leichtes geben.


Und warum standen mehrere Menschen in einer Ecke der Bibliothek zusammen? Inmitten all der Schriften steht tatsächlich ein Sarkophag mit einer altägyptischen Mumie. Ihr Name war Schepenese. Nicht, dass ich das gewusst hätte, aber ich habe es nachgelesen. Man geht davon aus, dass die Tochter eines Priesters in der Zeit zwischen 610 und 650 v. Cr. gelebt hat.

Leider war das fotografieren der Mumie streng verboten, was ich verstanden und natürlich respektiert habe. Am Deckel des Innensargs stand allerdings kein Verbotsschild und so habe ich diesen Anblick festgehalten.
Das Herzstück der Bibliothek sind natürlich die Schriften. Unvorstellbar in der heutigen Zeit, dass die Mönche im Mittelalter jeden einzelnen Buchstaben von Hand geschrieben haben. Hier die Grosse Hartmut Bibel


Die dicken Ledereinbände der Bücher wurden jeweils mit Kordeln verschnürt, um sie vor Staub und Feuchtigkeit zu schützen.


In der Bibliothek gibt es auch noch alte Choralbücher, hier ein paar Infos zur klösterlichen Musik.

Noch ein paar weitere Impressionen:


All das hätte es ohne einen irischen Mönch, den heiligen Gallus nicht gegeben. In einer unterirdischen Ausstellung findet man die Figur des Mannes.

Der Besuch der Stiftsbibliothek hat sich total gelohnt. Es ist kein staubiges Museum, sondern eine Zeitreise, für die man schon mindestens 2 Stunden einplanen sollte.
Nach unserem ‚Kulturtrip‘ gönnten wir uns noch etwas Feines zu trinken in der Altstadt von St. Gallen. Das Wetter war freundlich, so dass wir die Restaurantterrasse geniessen konnten und anschliessend die Heimreise antraten.
Das war unser Mädelsweekend. Voller schöner Momente, guter Gespräche und dem in-Erinnerungen-schwelgen über vergangene Reisen. Seeehr gerne wieder einmal 😊.
In diesem Sinne … gönnt euch ab und zu eine kleine Auszeit. Sie wirkt Wunder.
Eure Sue