Juli 2019
Die perfekte Verbindung – Moderner Komfort trifft auf historische Schönheit
Das war mal ganz was Neues, aber warum nicht? Warum nicht in den hohen Norden? Genauer gesagt, an die Ostsee, an den Finnischen Meerbusen.
Reisebegleitung war auch dieses Mal meine liebe Freundin, immer zu haben für abenteuerlustige Städtetripps.
Die Umsteigeverbindung Zürich – Stockholm – Tallinn hat gut geklappt, trotz der knappen Zeit, um von einem Flieger auf den anderen zu kommen. Das Wort ‚früher‘ gehört nicht zu meinen Lieblingswörtern …. trotzdem erinnere ich mich gern daran zurück, als Getränke und ein Snack im Flugzeug noch kostenlos waren, was bei der SAS nicht der Fall war. Na ja, gut, auf das Pappefutter auf dem Teller kann man ja in der Regel auch tatsächlich verzichten.
In Tallinn brachte uns ein Taxi zu unserer Unterkunft für die kommenden Tage, dem charmanten, historischen Hotel CRU, einem Haus mit 15 individuell gestalteten Zimmern im Herzen der Altstadt von Tallinn, die seit 1997 UNESCO Weltkulturerbe ist.







Der Innenhof des CRU Hotels ist ein bezaubernder Rückzugsort mit mittelalterlichem Charme, Kopfsteinpflaster, Holzbalken und Steinmauern. Abseits vom Trubel kann man hier die Stille bei einem ausgezeichneten Essen geniessen.



An diesem Tag unternahmen wir einen Bummel durch die kleine, historische Altstadt mit ihrem gut erhaltenen, mittelalterlichen Kern. Wir schlenderten über den Rathausplatz und bewunderten die verwinkelten Gassen, Giebelhäuser und Innenhöfe.

Anschliessend besichtigten wir das Wahrzeichen der Stadt, den Domberg oder auf esthnisch Toompea. Hier befindet sich das Stenbock-Haus, der Sitz der esthnischen Regierung.

Am Fusse des Dombergs befindet sich eine historische Kirche im gotischen Stil, die St. Nikolai-Kirche, die im 13. Jahrhundert erbaut wurde und somit eines der ältesten Gebäude ist. Heute beherbergt sie das Niguliste-Museum, das viel über die Geschichte der Hansestadt Tallinn erzählt und wo berühmte Kunstwerke zu sehen sind, unter anderem der ‚Totentanz‘ von Bernt Notkes.

Als Estland noch Teil des zaristischen Russlands war, wurde gegen 1900 die Alexander-Newski-Kathedrale fertiggestellt. Auch diese russisch-orthodoxe Kirche ist auf dem Domberg und wer üppige Mosaike und Glasmalereien mag, darf eine Besichtigung nicht versäumen.

An diesem relativ kühlen Tag kehrten wir liebend gern ein in eines der ältesten Cafès der Stadt, dem Maiasmokk, dass seit ungefähr 1864 in Betrieb ist und dessen Einrichtung sich angeblich in den letzten 100 Jahren kaum verändert hat. Der Chai Latte … ein Träumchen 😊.

Den Abend beendeten wir in einem italienischen Restaurant am Rathausplatz, denn ein feines Essen, ein guter Wein, ein bisschen Leute gucken … das gehört einfach dazu.
Das Aufwachen am nächsten Tag war etwas mühsam. Am Wein lag es nicht, eher an der – zumindest für meinen Geschmack – sehr weichen Matratze. Das war jetzt gar nicht mein Ding und ich hab sehr schlecht geschlafen. Das Frühstück hingegen entschädigte für alles. Es war reichhaltig und vielfältig, eher deftig und herzhaft. Auf jeden Fall ein guter Start in den Tag.
Heute standen verschiedene Besichtigungen auf dem Programm, zum Beispiel Schloss Katharinental, welches im 18. Jahrhundert von Zar Peter für seine Frau Katharina in Auftrag gegeben wurde und heute das Kunstmuseum Kadriorg beherbergt. Das von einem italienischen Architekten (die haben’s halt drauf 😊) entworfene Schloss ist umgeben von einem wunderschönen, weitläufigen Schlosspark nach dem Vorbild von Versailles.



Direkt hinter dem Schloss befindet sich der Amtssitz des estnischen Staatspräsidenten, hier arbeitet er nicht nur, hier wohnt er auch.
Ich stelle mir gerade vor, dass seine Frau nur zu rufen braucht, wenn die Schnitzel fertig sind und er nur einmal um die Ecke biegen muss und am Tisch sitzt .


Das Wetter war besser als angekündigt und so nahmen wir die Strassenbahn zum Skywheel of Tallinn, dem Riesenrad direkt auf dem Dach des Einkaufszentrums T1 Mall of Tallinn. Der Ausblick über die Stadt, die Ostsee und den Flughafen ist fantastisch.






Das Dach des T1 ist einzigartig mit riesigen Glaskuppeln und einem darunter liegenden Atrium.

Eines der Dinge, die mich grundsätzlich in Tallinn beeindruckt haben, war die Tatsache, dass es wirklich noch im hintersten Winkel einwandfreien WLAN Empfang gab. Mir wurde erst später bewusst, dass es in Estland fast als Grundrecht gilt, einen guten Internetzugang zu haben 😊.
Auch diesen Tag beendeten wir mit einem Abendessen am Rathausplatz.
Ich weiss nicht, ob uns die Ereignisse des Tages so beschäftigten oder was der Grund war, jedenfalls konnte ich an diesem Abend nicht einschlafen und meiner Freundin ging es ebenso. Ich dachte, dass mir vielleicht eine Zigarette helfen würde. Also kletterte ich auf den Schreibtisch, der direkt unter dem Dachfenster platziert war und pustete meinen Rauch raus (….). Leider (oder Gott sei Dank 🤔) hat niemand diesen Anblick auf einem Foto festgehalten.
Wie auch immer … auch diese Aktion hat nicht dazu beigetragen, in den Schlaf zu finden. Für besondere Ideen sind wir ja immer gut und so beschlossen wir, in einem der Restaurants unten vor der Tür, wo man auch draussen sitzen konnte, einen Absacker zu nehmen. Ohne lange zu fackeln, kam die Jeans über das Nachthemd, die warme Jacke über die Gesamterscheinung und ab ging es nach unten. Was denn?? Ich sah doch angezogen aus. Jedenfalls hat uns der warme Baileys mit Sahne später zu einem traumlosen Schlaf verholfen 😂.
Der Stadtteil Kalamaja war unser Ziel am kommenden Tag. Mit dem Bus fuhren wir ins Lennusadam, einem der bedeutendsten maritimen Museen Nordeuropas. Hier konnten wir den Eisbrecher Suur Töll besichtigen, der 1914 in Stettin gebaut wurde.













Neben dem Lennusadam liegt die Seefestung Patarei, die lange als Gefängnis genutzt wurde. Allerdings haben wir sie nicht besichtigt. Die Lust auf einen Apero zog uns in die Stadt zurück 🍸.

An diesem Nachmittag, unserem letzten Tag in Tallinn, spazierten wir trotz des Regens noch einmal auf den Domberg und über den Markt mit den wunderschönen Blumenständen. Der Check-in für unseren Rückflug im Hotel klappte später sehr gut und an diesem Abend liessen wir uns bei einem feinen Dinner im hauseigenen Restaurant des CRU verwöhnen.
Noch eine Übernachtung und dann ging es zurück in die Heimat, von
13 Grad in Tallinn zu 37 Grad in der Schweiz.
Tallinn ist wirklich eine faszinierende Stadt und hat mir ausgesprochen gut gefallen. Sie vereint hohe Lebensqualität, historisches Erbe, moderne Viertel, tolle Einkaufsmöglichkeiten und lässt sich perfekt zu Fuss und mit Bus und Tram erkunden. Tallinn ist ein absolut empfehlenswertes Ziel für einen Städtetrip 👍 und – in meinen Augen – eine charmante, unterschätzte Schönheit.
Võib-olla kohtume kunagi uuesti.
Ja, vielleicht.
Herzlich, Eure Sue.